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Kap Arkonas "Rolle des Jahres"

Webcam Kap Arkona  Zeitraffer: Franz Müller


Was für ein Start in den Tag!

Wer am Sonntagmorgen am Kap Arkona unterwegs war oder eine der Webcams im Blick hatte, kam voll auf seine Kosten – oder musste die Mütze ganz fest festhalten.

Zwischen 10:30 Uhr und 10:40 Uhr zog ein echtes meteorologisches Kunstwerk über uns hinweg: eine perfekte Rollcloud (Böenwalze), begleitet von Sturmböen.

Das Spektakel: Ein rotierendes Wolkenrohr.

Dank der Webcam-Aufnahmen konnten wir das Phänomen fantastisch mitverfolgen. Man sieht im Hintergrund den dunklen, bedrohlichen Kern des Gewitters, das selbst das Kap nur streifte und weiter Richtung Schweden auf die Ostsee zog. Das eigentliche Highlight ist aber die helle, waagerechte Wolkenwalze, die wie ein riesiges, rotierendes Rohr vor der eigentlichen Gewitterzelle über das Land walzt. Diese sogenannte Rollcloud ist physisch von der Hauptwolke getrennt. Sie markiert die messerscharfe Grenze, an der die schwerere Kaltluft aus dem Gewitter nach unten stürzt und die feucht-warme Luft vor sich herschaufelt. Dadurch kommt eine vertikale Rotation in Gang.

Das Rezept: Die gestrige Rekordhitze als Treibstoff.

Aber warum ausgerechnet heute Morgen und so deutlich?

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Foto: Heiko Levetzow


Die Ursache liegt in der extrem aufgeheizten Luftmasse vom Vortag.

Während das Binnenland sogar unter extremer Hitze mit teils über 40 Grad gelitten hatte, hatten wir es am Kap mit maximal 31,1 Grad immer noch heiß.

Diese Wärme hielt sich auch in der Nacht, die Wetterstation Kap Arkona meldete die wärmste Juninacht seit Aufzeichnungsbeginn 1947 mit einem Minimum von 21,6 Grad. Diese feuchte Wärme war pure Energie, die heute Morgen auch die Gewitterzellen vor unserer Küste versorgt hat.

Das Besondere: Es war gar keine große Kaltfront nötig, das Gewitter hat sich seinen Wind quasi selbst gebastelt.

Der Messwert: 76 km/h aus dem Nichts In der Gewitterwolke kühlt die Luft durch den Niederschlag extrem ab, wird schwer und schießt wie eine unsichtbare Lawine im freien Fall nach unten.

Am Boden angekommen, breitet sich dieser Kaltluftsee explosionsartig in Fahrtrichtung des Gewitters aus. Genau das ist der Moment, in dem die Rollcloud entsteht und der Wind extrem auffrischt. An der Wetterstation direkt am Kap Arkona wurden in diesem kurzen Zeitfenster von nur zehn Minuten Sturmböen von 76 km/h gemessen, also Windstärke 9.

Wer da auf den offenen Feldern hinter Putgarten unterwegs war, hat den Temperatursturz und die Urgewalt dieses Gewitter-Outflows hautnah miterlebt.

Ein absolut geniales Lehrbuchbeispiel nicht nur für Wetterbeobachter, das man so perfekt selten vor die Kamera bekommt. Haltet die Augen offen!

Frank Abel | Kachelmannwetter | Wetterstudio Kap Arkona

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